Gabriele Lucie Freudenreich wohnt in Wien und sagt, dass ihre Arbeiten aus unterschiedlichen Strängen besteht, die „nebeneinander herlaufen, sich miteinander abwechseln oder/ und sich miteinander verbinden.“

Sie arbeitet sowohl einzeln, als auch kollaborativ mit anderen Künstler*innen. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit sind Gespräche mit Menschen aus kunstfernen Kontexten, die sie zu Büchern, Audioarbeiten und Texten verarbeitet. Außerdem entwickelt und leitet sie Workshops zum Thema leben formen lebensformen, etwa mit Bäuerinnen in Waidhofen.

Die Themen, um die ihre Fragen, Forschungen und künstlerischen Arbeiten kreisen, sind Veränderungsprozesse in Arbeit und Leben sowie das klassische Thema in der Kunst: die Vergänglichkeit.

Für LUX19: Frauenarbeit wird sie an „Kunst der Arbeit“ anknüpfen.

Die Kunst der Arbeit Audiotextinstallation 2 AudioCDs, ca. 80 min. Garderobe mit Garderobier, Galerie Station 3,Wien und Künstlerhaus, Graz 1996 – 2000

Die Kunst der Arbeit

KünstlerInnen werden zu ihrem eigenen Arbeiten befragt, wobei den Fragen Kriterien und Werte aus dem Wirtschafts- und Arbeits- bereich zu Grunde liegen. Folgende Begriffe wurden in den Kunstkontext importiert: Produkte, Inhalte, Arbeitsprozesse, Motivation, Effektivität, Werte, Leistung, Qualität, Ziele.

Durch den Blick auf die eigene Arbeit aus dieser veränderten Perspektive mit Begriffen, die im Kunstkontext damals nicht so gebräuchlichen waren, öffnete sich das Denken der Künstler. Es wurde anders über Kunst gesprochen.

Eine zentrale Frage war die nach der Leistung, die ein Künstler anbietet. In den Antworten kam zur Sprache, welche Funktion Kunst in der Wahr- nehmung von Künstlern in der Gesellschaft hat.

leben formen lebensformen – Buch

Nachdem mir bewusst wurde, wie viel Zeitgeschichte die Gespräche mit den Bäuerinnen im Muldenland enthalten und dass hier eine Lebensform – das Leben der Bäuerinnen in der DDR – dokumentiert wurde, die es so nicht mehr gibt, entschloss ich mich, die Gespräche auch als Buch herauszugeben. Die Gespräche wurden von einer Sächsin transskribiert.

Dem Layout des Buches liegt der Gedanke zu Grunde, dass auch ein Buch in seiner Vieldimensionalität als Skulptur erfahrbar ist: den Fragen, sowie den verschiedenen Bedeutungsebenen im Text wurden jeweils unterschiedliche Bereiche im Seitenlayout zugeteilt, wobei die Struktur so flexibel blieb, dass die Gesprächsverläufe sich im Layout abbilden kommten. Das Layout beruht auf der Annahme, dass eine innere Struktur sich dem Betrachter und Leser auch dann mitteilt, wenn er keine genauen Informationen darüber hat.

being present /Wien Margaretengürtel 18 Langzeitbelichtungen, Pigmentdruck auf Photo Rag Baryta, 2016/17

being present

Ausgangspunkt dieser Arbeit war das Thema „Spuren von Bewegung“, das Beate Hansen und ich als gemeinsamens Thema gewählt haben. Diesmal verfolgte jede eine eigene Spur ihres Interesses.

Aus dem Bewegungsbereich kommend, begann ich mit Forschungen, wie lange ich in Bewegung präsent bleiben kann. Die Zeit- spanne variierte zwischen sekunden bis um die 12 Minuten. Einige Wochen lang übte ich mich im präsent bleiben. Dann ging ich in der Stadt über Wochen hinweg an einen Ort mit viel Bewegung: Menschen, Autos, Straßenbahnen,Wind,Vögel – alles in Bewegung. Mit einer analogen Kamera am Stativ nahm ich Bilder eines Baumes aus unterschiedlichen Perspektiven auf, wobei ich jeweils so lange auf den Auslöser drückte, wie ich in der Situation präsent bleiben konnte. Langzeitaufnahmen unterschied- licher Dauer waren das Ergebnis. Sie zeigen Spuren von Bewegung der dort vorhandenen Objekte und Menschen. Letztlich zeigen sie Spuren, die das Licht auf dem Film hinterlassen hat bis hin zum Verschwinden des Motivs.